Eine zwölfte Kurzgeschichte – Carl

Aurel Stodola, Johann Heinrich Waser, Heinrich Möckli, Carl Spitteler und Johann Jakob Steinbrüchel hatten alle Grosses geleistet und sind jetzt tot. Diese beiden Voraussetzungen braucht es, um ein Strassenname werden zu dürfen. Dass man unserem Carl, immerhin ein Literaturnobelpreisträger, klammheimlich seinen Haltestellennamen durch Zentrum Witikon ersetzt hat, ist unschön, aber nun mal der Lauf der Zeit.


Ebenso unschön ist, dass Köbi Kuhn noch warten muss. Zwar sucht die ehrwürdige Stadtzürcher Strassenbenennungskommission einen passenden Ort, aber es gibt Widerstand. «Es gebe sehr viele Frauen, die ebenso bekannt sind wie Köbi Kuhn und ebenso Gutes geleistet haben», sagen einige linke Frauen. Beides geniesst bei mir in der Regel vollste Zuneigung, aber hier, sorry, haben die doch nicht alle Tassen im Schrank, eine Wand draussen, eine Meise, eine Schraube locker, einen Sprung in der Schüssel, nicht alle Fünfe beisammen, nicht alle Latten am Zaun.

Es geht schliesslich um Fussball. Es geht um Köbi National. Oder, um es in den Worten des Schottischen Fussballtrainers Bill Shankly zu sagen: «Einige Leute halten Fussball für eine Sache von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es viel ernster ist». Und darum muss Katharina von Zimmern, die letzte Äbtissin vom Fraumünsterkloster halt noch ein wenig warten, bis der Köbi seinen Platz bekommen hat.

Wenn wir schon mal dabei sind: Carl Spitteler ist nicht einer von uns, er hatte persönlich rein gar nichts zu tun mit Witikon. Eine andere, nicht minder fragwürdige Verirrung der Strassenbenennungskommission ist der Burenweg, der eher nach Südafrika gehört. Wenn diese vom Stadtrat eingesetzte Truppe weiterhin so liederlich arbeitet, wird es um 2070 noch einen Megan-Rapinoe-Steg irgendwo im Trichtenhausener Tobel geben. Wenigstens wären dann alle zufrieden.


Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
homeoffice, putzmunter

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