Eine sechsundvierzigste Kurzgeschichte – Schicksale

In der 43. Kurzgeschichte plauderte ich kurz über Kevin Pezzoni vom FC Köln, weil er am Karneval einen Schlag erhielt. Er hat mir keine Ruhe gelassen, weil: Wer ist er?

Er gehört zu den Abertausenden, irgendwann mal kurz ganz weit oben Spielenden, aber oft irgendwo weiter unten Herumdümpelnden, und irgendwann sang- und klanglos von der Bühne Verschwindenden. Gut, gibt es heute das Internet und Google.


Kevin? «Kevin Home Alone» erschien 1990, und war ein derartiger Filmerfolg, dass in der Folge viele Eltern auf der Welt ihren frisch geborenen Söhne den Namen Kevin gaben. Kevin Pezzoni wurde aber bereits im März 1989 geboren. Papa Italiener, Mutter Hessin, zwei Visionäre offenbar.

Er durchlief alle Deutsche Nationalmannschaften U17, U18, U19, U20 und U21, und absolvierte dort total 24 Spiele. Bereits als Junior spielte er kurz im Ausland, bei den Blackburn Rovers. Er kam dann für vier Jahre in die erste Bundesliga zum 1. FC Köln. Danach riss der Faden. Er erstattete 2012 Anzeige wegen Beleidigungen und Bedrohung seiner Person durch Fans. Das Gericht meinte: «relativ kleinformatige Tatbestände». Er aber floh überstürzt aus Köln, es war deutschweit Gesprächsthema, nur kurz natürlich.

Kevin wechselte danach beinahe im Saisontakt seinen Arbeitgeber: Erzgebirge Aue, Saarbrücken, Wohlen (!), Wehen Wiesbaden, Apollon Smyrnis, Hessen Dreieich, Kickers Offenbach, aktuell spielt er bei Giessen.

Der Kurztrip nach Griechenland gehört wohl ins Kapitel «Lebenserfahrung sammeln». Kurz nach Vertragsabschluss wurden alle Deutschen auf die unfeine Art ausgemustert. Sie mussten alleine Runden laufen ab 06:00 Uhr morgens, der Trainer kam erst viel später dazu. Gespielt hat Kevin nie unter der griechischen Sonne.

Jetzt ist er 31-jährig und wieder daheim, wo er aufgewachsen ist. Man schätzt ihn hier sehr und er hofft helfen zu können, dass man nicht aus der Regionalliga Südwest absteigt, der vierthöchsten Spielklasse im deutschen Ligasystem. Es ist ihm Glück und fussballerische Zufriedenheit zu wünschen, wie den abertausend anderen unbekannten Pezzonis auch.


Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
homeoffice, putzmunter

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