Eine vierunddreissigste Kurzgeschichte – bäumig

Der Ausflugtipp auf den Loorenturm (Kurzgeschichte Nr. 17) war eine Niete. Der Turm war natürlich genauso gedownlocked und brettervernagelt wie viele andere Hotspots. Aber so ein Wald gibt ja mehr her als einen Turm, weshalb das Witiker Urgestein Piero Buchli sofort auszog, um Alterativen auszumachen. Und siehe da, was fand er im Wald ob Witikon? Einen Baum!


Das erstaunt natürlich nicht sehr, denn ein Wald ist ja nur dann ein Wald, wenn eine grössere Ansammlung von Bäumen da ist. Aktuell sind viele Menschen im Wald, die vor Corona noch nie dort waren. Und etliche von ihnen stellen fest, dass es Bäume hat im Wald. Sie berühren vorsichtig die Rinde, schnuppern neugierig am Harz, nehmen sogar Blätter in die Hand. Ja, es gibt noch Dinge da draussen, die über unsere Netflix-Wahrnehmungen hinausreichen.

Eben, auch Piero hatte also einen Baum entdeckt, aber eben nicht einen x-beliebigen, sondern einen, fast so atemberaubend wie den Old Tjikko in Schweden (9550 Jahre alt) oder die über 150 Meter hohen Küstenmammutbäume in den USA oder die knorrigen Laubbäume des märchenhaften Gespensterwaldes im Ostseesand bei Nienhagen.

Wenn man also über die Looren- und Eschenhausstrasse Richtung Degenriet/Dolder spaziert, trifft man auf die berühmte Brockmann-Eiche (1). «Eiche» muss man vermutlich nicht erklären (?), «Brockmann» vielleicht schon eher. Heinrich Brockmann-Jerosch war ein überaus verdienstvoller Botaniker (1879-1939) (2). Der nach ihm benannte Baum ist unterdessen stattlich gross, und es bräuchte etwa 2 ½ Pieros, um den Stamm mit ausgebreiteten Armen zu umfassen.

Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
homeoffice, putzmunter

(1) Für die kleinen Forscher unter uns: Die Eiche steht irgendwo mitten im Wald, aber ist es Witikon, Hirslanden oder Hottingen? Um sachdienliche Hinweise wird gebeten.
(2) Gyr, Ueli; Scheidegger, Tobias: Heinrich Brockmann-Jerosch – Spurensuche zwischen Botanik, Brauch und Bauernhaus, in: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 109 (2013), 203–231. Muss man aber nicht unbedingt gelesen haben.

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