Eine neunundzwanzigste Kurzgeschichte – stumped

Kennen Sie Engländer? Ein recht eigenes Völkchen, indeed. Man sagt, kulinarisch unterversorgt, politisch etwas eigenbrödlerisch, absolut wetterfest, modisch leicht spleenig, dazu wettsüchtig und tooootaaaal spielverrückt. Kurz, sie hätten einen an der Waffel. Aber! Die Engländer haben viele Sportarten erfunden. Fussball zum Beispiel, obwohl eigentlich atypisch, denn dieses Spiel ist simpel, das Spielfeld überschaubar, und die Zählweise auch.


Schon eher englisch ist Tennis mit seiner völlig idiotischen Zählweise 15 – 30 – 40 und im dümmeren Fall bei «Deuce» noch mit «Advantage», und «Love» ist Null. Noch englischer ist Cricket: Die Form des Spielfelds (schlicht nicht in Worten beschreibbar), die Aufgaben der Spieler (wie das Pflichtenheft eines CEO), die Spieldauer (bis zu fünf Tagen, inkl. Teepausen), das Regelwerk (eine Bibliothek… es gibt beispielsweise sehr viele verschiedene Möglichkeiten, den Striker rauszuwerfen. Eine heisst «stumped», wenn nämlich der Wicketkeeper das Wicket zerstört und der Batsman vor dem Popping Crease ist). Soweit klar?

Sicher nichts für Fussballer – ich erinnere hier bloss an einfachste Trainingsübungen (ein Ball, drei Spieler), wo spätestens nach zwei Minuten höchste Zusammenstossgefahr wegen totaler Konfusion herrscht und alle irrlichternd herumhühnern. Apropos Huhn:

Der Vogel (diesmal nicht Erich, sondern ein normaler) wird aber mit «Eton Fives» abgeschossen. Es ist ein bisschen wie Squash. Weil die Spieler aber in einem sehr engen Raum eingeschlossen sind, schlagen sie den Ball mit den Händen, Schläger haben da keinen Platz. Das Spielfeld geht auf eine Nische an der Kapelle des Eton College zurück. Darum hat jeder Court auf der Welt eine tückische Stufe am Boden, ist mit einem sinnlosen Wandvorsprung ausgestattet, im Rücken der Spieler stehen zwei Säulen herum und an den Wänden verläuft etwa auf halber Höhe ein Sims. Und so sind die Spieler und der Ball eigentlich in permanentem Dauerstress.

Kleiner Tipp: Es stehen zwei Eton-Courts in Gockhausen, gleich unterhalb vom Restaurant Geren. Wenn man sich also ein wenig nach Normalität in diesen Zeiten sehnt: Nicht (!) anschauen gehen.


Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
homeoffice, putzmunter

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