Eine dreissigste Kurzgeschichte – Farbenkunde

Die Torhüter tun einem besonders leid. Ihre schrillen Leuchtfarbenoberteile sind dabei noch harmlos. Mit dem Suchbegriff «Torhüter im modischen Abseits» kann man allerdings in echte Abgründe eintauchen. Was die armen Kerle tragen müssen...


Es gab auch für die Feldspieler eine Phase, wo eigentlich sämtliche Menschenrechtsorganisationen hätten intervenieren müssen. Sie ist glücklicherweise ausgestanden, diese Zeit in den 1980er und 90er Jahren. Wie konnten wir das damals zulassen? Wenn ich an unsere Trikots denke beim ersten Aufstieg in die 2. Liga, Heim wild gesprenkelte Rotvariationen, auswärts mausgrau, ebenfalls absurd gemustert – da bekomme ich heute noch Schweissausbrüche und Gürtelrose.

Aber wenn wir ganz, ganz tief in uns gehen, müssen wir uns eingestehen, dass auch die heutige Fussballwäsche optische Umweltverschmutzung ist: So was von mittelmässig, öde, langweilig. Als statistische Mini-Ausreisser dürfen allenfalls die Südamerikaner (Argentinien, Brasilien, Peru!) und bei uns in Europa Italien und Kroatien etwas in Schutz genommen werden.

Das Tenue der kroatischen Nationalmannschaft ist frech und unkonventionell. Grosszügig weiss und rot kariert. Das italienische, als Gegenposition, ist eng, sehr eng geschnitten, mittlerweile weg vom Standard-Azzuro hin zu einem etwas bleicheren, wunderschönen Blau. Ein Klassiker. Interessant und wohl kaum Zufall ist, dass auch in den Clubs dieser beiden Länder Lichtblicke vorhanden sind.

Da gibt es den NK Istra 1961 mit gelb und grün, entweder beides feinst längs gestreift oder dann gelb mit grossem grünen Kreuz. Obschon in der ersten kroatischen Liga eher hinten liegend, hier ganz klar ganz vorne, europaweit. SSD Palermo spielt mutig in rosa und schwarz. Das versuch(t)en auch verschiedene andere Mannschaften, aber gestehen wir uns ein: das können wirklich nur sonnenverwöhnte Süditaliener mit viel Pomade im dunkelschwarzen Haar, Stirnband, Viertagebart und nussbraunen Augen tragen.

Die Frage sei erlaubt: wo bleiben bloss all die Modedesigner und Farbsachverständigen? Wieso nehmen sie keinen Einfluss? Es ist doch alles da: Thomy (ein sattes Selfgelb), Eggplant (ein geheimnisvolles Auberginenviolett), Faluröd (das Schwedenrot an allen Holzhäusern im hohen Norden), Kurkuma (ein pfiffiges Orangegelb), Pfefferstängel (eine Art Grün zwischen Kermit dem Frosch und dem unglaublichen Hulk). Das wär’ doch was für den FC Neumünster (gibt’s den noch?): statt grün/rot künftig oben Pfefferstängel, unten Faluröd, das Ganze hummelgestreift.


Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
homeoffice, putzmunter

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