Wer erinnert sich noch an den «verschnupften» Christoph Daum? Nach Vorwürfen gab der damals erfolgreiche Trainer von Leverkusen freiwillig eine Haarprobe ab («ich habe ein reines Gewissen»). Er wollte der Welt beweisen, dass es kein Kokser sei. Der Test fiel positiv aus. Es war eines der gröberen Eigentore in der Geschichte des Fussballs.
Nichtsdestotrotz: von ihm stammt die Vermutung (s. Kurzgeschichte Nr. 25), dass eigentlich kein Gegentor zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt fallen könne. Wir treten den Gegenbeweis an. Hat er wirklich recht – oder ist es nicht eher so, dass es sehr wohl einen Zeitpunkt gibt, wo so ein Tiefschlag besser verkraftbar ist?
Wir gehen streng wissenschaftlich vor und wählen als Methode das «Ausschlussverfahren». Wir suchen also etwas, indem wir zuerst alle ungeeigneten Wahrscheinlichkeiten eliminieren, oder eben: ausschliessen. Und irgendwas bleibt dann übrig.
Ein Tor zu Beginn eines Spieles zu erhalten ist ganz, ganz übel. Der Gegner scheint übermächtig, und selber hat man wohl noch gepennt. Ein Tor vor der Halbzeit hat schon manchem Team das Genick gebrochen. Kurz vor dem Pausentee, das ist besonders hart. Und ein Tor gleich nach Wiederbeginn ist noch so ein Faustschlag in den Magen. Dann kommt die Zeit der Auswechslungen und taktischen Umstellungen, wo eh Unsicherheit herrscht, bis man sich wieder geordnet hat. Und fällt danach ein Tor, ist plötzlich kaum mehr Zeit da, das zu korrigieren, die Minuten zerrinnen schwuppdiwupp.
Was folgern wir: Daum lag falsch. Wenn man schon eine Kiste bekommt, dann bitte irgendwo zwischen der 21. und der 33. Minute, das ist zwar auch ungünstig, aber weniger ungünstig als vorher oder nachher.
Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
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