Endlich Ferien. Koffer packen und los. Waren das noch Zeiten, als wir sorglos und wild in der Welt herumreisen konnten: New York, Uluru, Sharm el Sheikh, Serengeti, Maccu Picchu. Wieder daheim, tauschte man sich mit Anderen über die Reiseerlebnisse aus. Und stellte erstaunt fest, dass man ja auf Rathafandhoo denselben grossen Napoleon-Fisch gefüttert und auf dem Sunday Market in Pukhet bei demselben lederhäutigen Engländer sein Armband gekauft hatte. Die Welt ist eben klein.
Aber jetzt? Man ist zuhause, und es bleibt bloss, notgedrungen und vielleicht erstmals, die eigene nähere Umgebung zu entdecken – also nicht bloss die Sportanlage oder das Witiker Zentrum anzusteuern. Aber wohin des Weges?
Deshalb hier ein paar «weltreiseähnliche» Ausflugtipps in Velo- oder Busdistanz.
Ausflug 1: anstatt Russland
Im Jahr 1799 kämpften Franzosen auf der einen, Österreicher und Russen auf der anderen Seite erbittert um die Vorherrschaft in Mitteleuropa, und das ausgerechnet in und um Zürich. Beim Zoo, gleich oberhalb des Restaurants Zürichberg erinnert ein kurzer Waldweg, ein steinernes Denkmal mit reichlich Informationen und noch erhaltene Verteidigungswälle (sog. Schanzen, heute als Jumps für Bikes uminterpretiert) an diese Zeit. Für jene, die es mal wieder nach Paris verschlägt: Am Arc de Triomphe ist in Erinnerung an diese Schlachten um Zürich stellvertretend ‘Dietikon’ eingemeisselt (kein Witz!)
Ausflug 2: anstatt Afrika
Der Elefant steht nicht schon, sondern erst seit 1898 im Bach. Der Name Elephantenbach ist nämlich mindestens ein halbes Jahrhundert älter. Sein Ursprung ist immer noch unbekannt. Es war der Verschönerungsverein von Zürich und Umgebung, der das Grautier oberhalb der Schlyfi «placierte». Dank Geld- und «Cement»-Spenden konnte ein Weg gebaut, drei kleine Brücken erstellt und neben dem Elefanten auch ein Krokodil aus Beton ins Nass gesetzt werden. Es dauerte dann noch 36 Jahre, bis das Dorf Witikon der Stadt einverleibt wurde.
Ausflug 3: anstatt Grönland
Zwischen Benglen und Fällanden liegen im Jörentobel tonnenweise kleine, grössere und ein paar riesige Felsbrocken. Sie stammen von einem Felssturz in den Glarner Alpen, der vor etwa 20'000 Jahren auf dem Rücken des Linthgletschers landete. Der floss dann unbeeindruckt über Jahrtausende langsam bis weit in den Kanton Zürich hinein. Bei seinem Rückzug am Ende der Eiszeit rutschten die erratischen Blöcke von der schmelzenden Gletscherzunge und liegen jetzt einfach da. Grün bemoost und fern der Heimat. Mystisch!
Gute Reise!
Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
homeoffice, putzmunter