Eine einundzwanzigste Kurzgeschichte – Wilson

Meine Katze mag mich plötzlich. Ich bin ständig zuhause, füttere sie gefühlte 17x am Tag und rede oft mit ihr. Auch sonst kommt der Alltag verändert daher: Ich lese in der Zeitung mehr als bloss den ausgedünnten (bis inexistenten) Sportteil. Ich höre intensiv alle mögliche Musik und spiele gegen namenlose Tadschiken und Koreaner Schach auf einer Chess-App. Ich beobachte im Garten die Spinnen und Wespen, mit den niedlichen Mauerbienen habe ich auch schon begonnen zu reden. Und mit Wilson, meinem persönlichen Ball, wie Tom Hanks einen hatte auf seiner Insel. Mit ihm führe ich unterdessen regelmässig Selbstgespräche, frage ihn um Rat, erzähle von meinem Ausflug zum Müllcontainer, erkläre ihm die Sizilianische Verteidigung 1. e2–e4 c7–c5 etc. Ich bin sicher, Wilson bewahrt mich vor dem Wahnsinn, vor völliger Verzweiflung und Vereinsamung.


Der Schweizerische Psychiatrie-Verband gab neulich ein Communiqué heraus: Es sei in diesen Zeiten ganz normal, wenn man mit allen möglichen Tieren oder Gegenständen anfange zu reden. Man solle sich da keine Sorgen machen. Wenn sie allerdings beginnen Antwort zu geben, dann soll man doch bitte die Hotline anrufen.

Ist ja völlig logisch. Ich weiss, dass Wilson bloss ein Ball ist. Aber neulich bin ich mitten in der Nacht aufgewacht, weil mein Panini-Album WM 1974 mich lautstark darauf aufmerksam machte, dass ich schnarche. Eine Frechheit. Wilson hat bloss bestätigend genickt und weiter an seinem Sherry genippt.


Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
homeoffice, putzmunter (?)

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