Früher, ja früher hatte alles noch seine Ordnung. Die einlaufenden Spieler trugen ordentlich die Rückennummern 1 bis 11, die Ersatzbank 12 plus. Die Zahlen erlaubten es den Zuschauern, die Spieler besser zu identifizieren und den jeweiligen Positionen zuzuordnen.
Wer die 2 auf dem Rücken hatte («es Zwei uffem Rugge»), war entweder rechter Verteidiger oder hatte wieder einmal das Nachsehen, kam zu kurz, schaute in die Röhre, wurde übergangen.
In grossen Turnier werden die gemeldeten Spieler durchnummeriert, über 23 gibt es hier also nichts. Und in der Meisterschaft ist in der Regel bei 40 Schluss. Einige Vereine vergeben die 12 nicht, weil die Fans ja der zwölfte Mann sind.
Spieler mit einer persönlichen, charakteristischen Nummer gab es früher ganz wenige. Da war Gerd Müller mit seiner 13, Johann Cruiff hatte die 14. Heute allerdings ist es ein Zahlensalat sondergleichen. Je länger je mehr gibt es abergläubische, extrovertierte, auf eine spezielle Nummer fixierte Spieler. Und wenn man schon spielerisch nicht auffällt, dann wenigstens die Rückennummer: Die 27 tragen bspw. Mickaël Cuisance, Davie Selke, Konrad Laimer und Stefanos Kapino. Cristiano Ronaldo, umgekehrt, hat vermutlich sein CR7 bereits in Pass und Fahrausweis eingetragen.
Einige wenige Fussballer erreichten mit ihren Leistungen einen derartig verehrungswürdigen Status, dass ihre Vereine beschlossen, nach deren Weggang die Rückennummer nie mehr zu vergeben. Das ist eine amerikanische Tradition, die bereits in den 1930er Jahren im Eishockey und Baseball Einzug fand – die sog. «geschützten Rückennummern».
Beispiele dazu: Die 10 von Diego Maradona bei SSC Napoli («La mano de Dios»), die 31 von Bastian Schweinsteiger bei Bayern München (weibliche Fans: «Schweini, mach’ mir ein Ferkel»), die 21 von Holger Stanislawski bei St. Pauli («Weltpokalsiegerbesieger»).
Ich erhielt vor etwa einem Viertel Jahrhundert bei den Senioren einen FCW-Trainer mit der unmöglichen Nummer 55. Nun, seit ich älter bin als die Nummer, kann ich das Teil endlich völlig entspannt tragen.
Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
homeoffice, putzmunter