GC ist chinesisch. Die Grashüpfer gehören Frau Wang. In allen Medien wird gerätselt, warum sie sich das angetan hat, dabei liegt die Antwort auf der Hand. Frau Wang ist Kunstliebhaberin, sie leitet eine futuristische Galerie in Shanghai. Ihr kunstgeschichtliches Herz schlägt aber ganz offensichtlich nicht für Renaissance oder Barock, und ganz klar auch nicht für Romantik oder Realismus.
Ihr Kauf lässt eigentlich nur drei Erklärungen zu. Sie ist, erstens, womöglich eine Anhängerin des Neoexpressionismus: Völlige Verfremdung der Realität, mal schnell Dinge auf den Kopf stellen oder das Vorhandene einfach übertünchen, übermalen, verwedeln.
Oder sie ist, zweitens, eine Verehrerin des Surrealismus: Das Unterbewusste verdrängt das Rationale, über Traum- und Rauscherlebnisse und unter Ausblendung jeglicher willentlichen Kontrolle geschieht etwas Fantastisches, Utopisches, Unrealistisches.
Mit allergrösster Wahrscheinlichkeit ist Frau Wang aber, drittens, eine Dadaistin. Diese künstlerische Richtung wurde unter dem Eindruck einer weltweiten Katastrophe (WW I) in Zürich begründet. Beides passt zur heutigen Situation. Die kleine Katastrophe heisst heute Corona (oder Erich Vogel) und Niederhasli ist zwar im Furttal, aber doch nahe bei Zürich. Der Dadaismus war eigentlich eine Protestbewegung und wollte das Establishment schockieren. Das ist Frau Wang ja schon mal ganz gut gelungen. Bei aller Provokation hatte die dadaistische Bewegung damals aber durchaus Ziele und suchte nach neuen Möglichkeiten und Wegen in einer aussichtslosen Zeit.
Es gibt da ein schönes, sinnentleertes Gedicht von Ernst Jandl, der die Sache zwischen Frau Wang und GC auf dadaistische Weise veranschaulicht:
ottos mops trotzt
otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto: soso
otto holt koks
otto holt obst
otto horcht
otto: mops mops
otto hofft ottos mops klopft
otto: komm mops komm
ottos mops kommt
ottos mops kotzt
otto: ogottogott
Der Geburtsort des Dadaismus, das Cabaret Voltaire an der Spiegelgasse 1 in der Zürcher Altstadt gibt es heute noch. Es ist momentan geschlossen. Das Cabaret gastiert für längere Zeit im Furttal.
Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
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