Eine vierzehnte Kurzgeschichte – Schmande

Das kommt davon, wenn man die Leserschaft konsequent mit einem Ein-Wort-Titel anlocken möchte. Dabei will ich jetzt über die Schande und über die Schmach sinnieren, und zwar nicht im biblischen, sondern im fussballerischen Kontext.


Schmach ist, wenn man seine Ehre verliert und sich schämen muss. Das passierte den Deutschen im argentinischen Córdoba, als sie am 21. Juni 1978 im WM-Gruppenspiel gegen Österreich 2:3 verloren, und damit lustigerweise gleich beide Teams ausschieden. Was des einen Schmach, war des anderen Stolz.

Die österreichische Live-Reportage hätte einen eigenen WM-Titel verdient gehabt: «… ist im Strafraum – Schuss … Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor! I wer' narrisch! Krankl schiesst ein – 3:2 für Österreich! Meine Damen und Herren, wir fallen uns um den Hals; der Kollege Riepl, der Diplom-Ingenieur Posch – wir busseln uns ab. 3:2 für Österreich durch ein großartiges Tor unseres Krankl. Er hat olles überspielt, meine Damen und Herren. Und warten S' noch a bisserl, warten S' no a bisserl; dann können wir uns vielleicht ein Vierterl genehmigen».

Die beiden Mannschaften waren vier Jahre später auch gleich noch für die Schande von Gijón verantwortlich. In einem abgekarteten Spiel gewann Deutschland 1:0, womit diesmal beide Team weiterkamen, und das tapfere Algerien das Nachsehen hatte. Hans Krankl, der Held von 1978 meinte nach dem Spiel bloss: «Ich weiss nicht, was man will. Wir sind qualifiziert». Der österreichische Kommentator sah das schon während des Spiels völlig anders und forderte das TV-Publikum aktiv auf, den Fernseher abzustellen. Das spanische Blatt «El Comercio» veröffentlichte den Spielbericht bei den Polizeimeldungen unter «mutmasslicher Betrugsfall».

Völlig im Ton vergriff sich der österreichische Delegationschef: «Wenn jetzt deswegen hier 10’000 Wüstensöhne im Stadion einen Skandal entfachen wollen, zeigt das doch nur, dass die zu wenig Schulen haben. Da kommt so ein Scheich aus einer Oase, darf nach 300 Jahren mal WM-Luft schnuppern und glaubt, jetzt die Klappe aufreissen zu können».

Schande über ihn. Dass auch das Publikum nicht immer vor üblen Aussetzern gefeit ist, wissen wir spätestens seit Istanbul 2005. Und dann kam... ich sag nur noch ein Wort: 13. Mai 2006.



Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
homeoffice, putzmunter

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