Die Welt ist zurzeit ein einziger grosser Maskenball: N95, KN95, 3MᵀᴹVFlexᵀᴹ, FFP2, FFP3. Das Tragen von zertifizierter Masken-Massenware wird nachdrücklich empfohlen. Ich oute mich: ich bin schon etwas länger im Maskengeschäft. Ich habe Archäologie und Volkskunde studiert, und weiss: Es trugen schon die Ägypter und Mykener Masken – allerdings erst wenn sie tot waren. Man denke an die äusserst wertvollen Exemplare für Tutanchamun und Agamemnon. Von Abraham Lincoln und Lenin wurden Totenmasken erstellt, eine entschieden billigere Variante, einfach ein Gipsabguss ab frischer Leiche.
Trotz morbidem Intro: Masken sind normalerweise eher für die noch Lebenden gedacht. Während der «fünften Jahreszeit» zum Beispiel, wenn die angsteinflössenden Maskenläufer im Lötschental oder die etwas stilvolleren Varianten am Carnevale di Venezia entlang der Kanäle tanzen, flirten, feiern. Masken sind aber nicht nur Retro & Ethno.
Masken sind auch Kultur. Das Phantom der Oper trug eine, Phantomas auch, und Zorro natürlich, auch Batman. Dann die Bösewichte Darth Vader und Hannibal Lecter. Und natürlich Tom Cruise in Eyes Wide Shut. Alles musikalische oder filmische Maskenträger.
Früher war Maskentragen auch im Fussball noch eine USP, ein Alleinstellungsmerkmal. Petr Cech zählt streng genommen nicht, denn er trägt seit seinem Schädelbasisbruch einen Helm, keine Maske. Aber viele Fussballer mit beschädigten Nasen- oder Jochbeinen tragen eine Zeit lang angepasste Carbonmasken.
Nach dieser eher trockenen Masken-History noch ein heiteres Spässchen aus dem richtigen Leben: Dem Kevin Pezzoni vom FC Köln wurde während des Kölner Karnevals 2013 von einem Maskierten einfach eins auf die Nase gehauen, weshalb er dann beim nächsten Spiel selber eine Maske tragen musste. Ist das jetzt eine Übertragung trotz oder wegen der Maske?
Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
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