Eine sechsunddreissigste Kurzgeschichte – XI

Regel XI (elf) der FIFA, die sogenannte Abseits-Regel, ist eigentlich ganz simpel.


Oder präziser ausgedrückt: sie wäre einfach, wenn sie denn zur Anwendung käme. Aber das ist so eine Sache. Sie gilt noch nicht in der eigenen Platzhälfte, und sie greift auch nicht, wenn in dem Augenblick, in dem der Pass gespielt wird, zwischen dem Spieler der den Ball bekommen soll und der gegnerischen Torlinie noch zwei Gegner stehen, und es ist auch kein Abseits, wenn der Ball nach hinten, also weg vom gegnerischen Tor gespielt wird, oder wenn der Ball vom Gegner kommt, oder wenn er bei einem Abstoss nach vorne gespielt wurde, und selbstverständlich ist auch bei einem Einwurf Regel XI ausser Kraft, und bei einem Eckstoss ist sie logischerweise auch aufgehoben. Ein teilnahmslos im Abseits stehender Angreifer wird als passiv in ebendiesem Abseits befindlich taxiert, weshalb auch dies kein Abseits ist. Teilnahmslos ist er, wenn er nicht ins Spiel eingreift, keinen Gegner irgendwie geartet beeinflusst oder aus seiner Position irgendeinen Vorteil zieht. Gleiche Höhe wie der zweitletzte Mann gilt auch nicht als abseitswürdig. Aber sonst gilt Regel XI immer.

Bei aller Konfusion vergisst man beinahe das «Warum». Warum gibt es die XI überhaupt? Damit die tendenziell lauffaulen Stürmer nicht einfach in Tornähe auf einen Pass warten können? Dass eine Mannschaft sich ihre Torchance erst hart erarbeiten muss? Oder aus Gründen des Fairplays etwa, weil es einfach nicht anständig ist, hinter dem Rücken des Gegners ein Tor zu erzielen? Oder der Spannung wegen, damit der aufs Tor ziehende Stürmer unterwegs noch mindestens einem Verteidiger begegnet, der ihn umhauen könnte?

Ich vermute mal, es ist eine Regel extra für uns vor der Glotze sitzenden Zuschauer. Wir können nämlich nach mehrfacher Konsultation von Superzeitlupe, Standbildern aus acht verschiedenen Blickwinkeln und 3D-Analysen dank den Tracking-Chips im Ball und in den Schnürsenkeln der Spieler besserwisserisch auf den Linienrichter zeigen, ihn mit saftigen Flüchen eindecken und dabei noch ein neues Bier aus dem Kühlschrank holen. Mann, tut das gut!


Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
homeoffice, putzmunter

Über den FC Witikon

Der FC Witikon ist ein mittelgrosser Verein am Stadtrand von Zürich. Wir bieten eine qualitativ hochstehende Fussballinfrastruktur für Jungen und Mädchen ab 5 Jahren und für Männer und Frauen bis 99 Jahre.

Zahlen & Fakten

Kontakt

FC Witikon
8053 Zürich

+41 76 680 80 53
info@fcwitikon.ch