Mit feuchten Augen, leicht zittrigen Händen und selbst gebasteltem Mundschutz kniete er. Er kniete am Spielfeldrand, und freute sich still ob der Rückeroberung. Rückeroberung? Seit keine Düngemittel, keine Mähmaschine, keine Nocken- und Stollenschuhe mehr den Rasen malträtierten, eroberten längst vergessen gegangene Gräser ihr Territorium auf Platz 5 zurück.
Zwar war es noch so, dass sich irgendwo im Mittelfeld der EU-DIN 12304-Rasen für Norm-Fussballplätze halten konnte. Aber er geriet auf den Aussenbahnen gehörig unter Druck, denn hier rauschten bereits unverkennbar erste Streifen des Deutschen Weiselgrases (Lolium perenne) im Wind. Und gleich anschliessend, gefährlich in Strafraumnähe wirbelten das Kammgras (Cynosurus cristatus) und der Rotschwingel (Festuca rubra) die Monokultur durcheinander. Im Torraum war das Chaos schliesslich völlig perfekt. Da balgten sich das Wollige Honiggras (Holcus lanatus), die gemeine Quecke (Agropyron repens) und die stolze Rasenschmiele (Deschampsia caespitosa) um die Vorherrschaft.
Still und nachdenklich zog der Witiker Hobby-Botaniker wieder von dannen. Im traurigen Wissen, dass wenn die Krise besiegt ist und der Fussballbetrieb wieder Einzug hält, DIN-12304 wieder das monotone Sagen haben wird.
Adieu ihr Grünlandvarietäten. Geniesst die kurze Zeit der Freiheit.
NB: Der Beitrag basiert auf einer Idee von Claudia Eberschweiler. Und das trotz stressigen, beengten, konfliktbeladenen, gewaltfördernden Situationen (so die Corona-Warnenden) in familienisolationärem Umfeld. Geht doch.
Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
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