Es gibt für Fussballer kein Anrecht auf ein Abschiedsspiel. Die Reglemente sind hier eindeutig. Andererseits ist es Vielen ein Bedürfnis, sich angemessen verabschieden zu können, aus der Nationalmannschaft, aus dem Verein, auf dem Höhepunkt der Karriere oder später.
Auf die gute deutsche Art organisierte man das für Bastian Schweinsteiger, in Form eines sehr ernsthaften Länderspiels gegen die allzu oft unterschätzte finnische Nationalmannschaft.
Leicht anders kommt die südamerikanische Variante daher. Diego Armando Maradona schickte man mit Tränen, Drama, Kitsch und Böllerschüssen in Rente. Weil kleines dickes Diego nicht mehr rennen konnte, bemühten sich 21 Feldspieler nach Kräften, ihm gefahrfreie Gassen zu bilden, Penalties zu schenken, den Ball einschussbereit hinzulegen, in die falsche Ecke zu hechten. Diego gewann 6:3, das Stadion tobte noch Stunden nach dem Schlusspfiff im Delirium.
Aber was tun, wenn sich der Verband nicht regt? David Odonkor organisierte sich seinen Abschied halt selber, auf sehr sympathische Art: es spielten «Bundesliga & Friends» gegen «Odos Nationalteam» in Aachen vor 10'000 Zuschauern, das Spiel endete 11:11, die Einnahmen flossen zugunsten des gemeinnützigen Vereins «Viva con Agua», und bei Odonkor flossen die Tränen.
Das mit den Abschiedsspielen ist heute so eine Sache. Irgendwie ist ja nie ganz fertig. Es gibt Rücktritte vom Rücktritt, oder man kickt nach dem Ende auf der grossen europäischen Bühne dann noch irgendwo weiter, weit weg in Dubai bei Shabab Al-Ahli, in Japan bei den Urawa Red Diamonds, in China bei Wuhan Zall, odel bei Flühlingslollen Niedelhasli.
Man muss das wirklich nicht über Gebühr zelebrieren, so ein Ende. Es geht ja irgendwo irgendwie alles weiter im Leben. Und weil nach diesem 50. Beitrag Schluss ist mit meinen Kurzgeschichten, sag ich bloss: ich habe fertig, und treff’ Euch irgendwann auf der Sportanlage wieder. Darauf freu ich mich sehr.
Beat Eberschweiler
Euer FCW-Korrespondent