Jetzt, wo der Fussball und damit auch die Welt stillsteht, werden sie überall um ihre Meinung gefragt, die Präsidenten, die Trainer, jene paar Spieler die brauchbare Sätze herausbringen. Wie soll es weitergehen? Wie soll die angebrochene Saison ordentlich abgeschlossen werden? Oder grundsätzlicher: Ist das das Ende von allem? Berührende Fragen, die nach fundierten Antworten verlangen. Wir machen da keine Ausnahme und haben das Gespräch mit den Entscheidungsträgern des FC Witikon gesucht.
_Korrespondent: Diese Ungewissheit – sportlich, aber eben auch finanziell. Das muss den Vorstand doch in den Wahnsinn treiben….
Vorstand: In der Tat, schau dich doch um.
_Beginnen wir vielleicht zuerst mit den finanziellen Aussichten.
Vorstand: Die sind gut! Wir können viel Geld sparen. S’Eis, s’Zwei, die Ü30 – alle wären sie aufgestiegen. Die teuren Partys entfallen jetzt. Und die Ü50 standen ja im Halbfinal und wären Schweizer (!) Cupsieger geworden. Nochmals ein unermessliches Einsparpotenzial, kein Autocorso im offenen Doppeldecker über die verkehrsberuhigte Witikonstrasse, genial.
_Das genügt?
Vorstand: Kein Spielbetrieb heisst ja auch keine Fouls, und keine Fouls bedeutet keine Bussgelder wegen gelben oder roten Karten. Das Einsparpotenzial treibt unserem Kassier Freudentränen in die Augen. Es gab ja Saisons, da führten wir einzelne Spieler als eigene Ausgabeposition im Kontoplan. [Der sog. «Faxe-Malus» - Anm. der Red.]
_Aber es gibt auch Einbussen?
Vorstand: Sicher, bei den Transfers werden wir wohl kleinere Einbrüche haben, aber wir können das locker auffangen.
_... über kreative Buchhaltung?
Vorstand: Nein. Wir verkaufen den Platzspeaker an den FC Neumünster, und der FC Seefeld least unseren Veteranenstamm – dann haben die auch mal ein bisschen Vereinskultur. Und wir streichen system-irrelevante Funktionen: Sportbusvermieter, Fairplay Verantwortliche, Korrespondent.
_(schluckt leer, fasst sich aber wieder) Und die Ausfälle wegen der ausbleibenden Zuschauereinnahmen?
Vorstand: Die waren noch nie budgetrelevant. Und die jeweils verkauften vier bis sechs Bratwürste können wir kompensieren: Wir waschen die Überziehleibchen nie mehr.
_Und wie steht es um die Moral? Keine Spiele in Witikon…
Vorstand: (lacht laut) Mal im Ernst, meistens waren die so was von grottenschlecht. Der Lockdown hat sein Gutes: In Venedig schwimmen wieder Delphine in den Kanälen, in Wuhan pfeifen die Vögel wegen der fehlenden Luftverschmutzung länger und lauter, und ohne Spiele ist im Quartier Witikon das Niveau wieder höher.
Beat Eberschweiler
FCW-Korrespondent
homeoffice, putzmunter
NB: Delphin darf/muss man seit der Rechtschreibereform mit ‘f’ schreiben. Ich verweigere mich dem Unsinn, denn das griechische «ph» ist einfach nicht ganz ein heutiges ‘f’.