2011 zügelt die Versicherungsagentur im Zentrum Witikon aus Kostengründen nach Zollikon. Geht damit auch eine langjährige Beziehung zum FCW zu Ende? Adi Noventa, ehemaliger Agenturleiter und FCW-Vorstandsmitglied blickt zurück.
1964 erhielt der legendäre Jakob «Giacomo» Brunner, seinerzeit bereits Präsident des FCW, eine Agentur der damaligen «Winterthur Unfall». Er richtete sich in seinem Einfamilienhaus an der Luegete ein und besuchte von dort aus die Kunden im Quartier. Damals gehörte es auch zu seinen Aufgaben, Schäden aufzunehmen, zu beurteilen und Entschädigungen persönlich und bar auszuzahlen.
1970 zog die Agentur in das neue Einkaufszentrum Witikon, wo die Kunden vorbei kamen, wenn sie einen Termin hatten oder Einkaufen gingen. Brunner, der in Witikon aufgewachsen war, sich bei sämtlichen Vereinen engagierte und viele davon sogar mitgegründet hatte, blieb bis zu seiner Pensionierung 17 Jahre später.
Eine neue Ära
1987 übernahmen Max Gmür, Felix Knöpfel und Adi Noventa unter «Max Gmür & Partner» die Witiker Hauptagentur der Winterthur Versicherungen. 1990 ging diese an Adi Noventa über, der mit seiner ersten Mitarbeiterin, der Witikerin Gabi Gualdi Lenherr, eine neue Ära begründete. Noventa arbeitete ganz im Sinne Brunners und war in den Vereinen und im Quartier stets präsent. 1993 wurde auch Noventa als technischer Leiter in den Vorstand des FCW gewählt.
Damals wurde die «Winterthur» an die CS und schliesslich an die AXA verkauft, eine französische Gesellschaft, die in kurzer Zeit zum globalen Player geworden war. Auch das Verhältnis zwischen der Versicherung und ihren Kunden veränderte sich, es wurde volatiler und der Preis entschied über den Abschluss nicht immer, aber immer öfter. Die Zeiten der bedingungslosen Kundentreue, die oft auch eine umfassende Dienstleistung nach sich zog, waren vorbei. Für den Kunden wurde der Preis und für den Verkäufer die Rendite zum Massstab.
Das Ende eingeläutet
2008 gab Noventa die administrative Führung bei der Hauptagentur Witikon ab und agierte neu als «Seniorpartner» unter der Leitung vom jungen Michael Bauer. Von der administrativen Alltagsarbeit befreit konnte sich Noventa ganz der persönlichen Beratung seiner alten und neuen Kunden widmen. Inzwischen wurde auch das Ende des Namens «Winterthur» eingeläutet, auf internen Papieren steht schon heute nur noch AXA AG. Das ist dann wohl das Aus einer über 100jährigen Geschichte, die 1875 in Winterthur begann.
2011 werden unter dem Diktat der Kostenkontrolle die Standorte Witikon und Zollikon zusammengelegt. Für das Personal bringt das eine Win-Win-Situation, für die Kunden aber eine Veränderung. Witikon ist bekannt als hoch stehendes Wohnquartier, verfügt aber über kein gewichtiges Gewerbe wie andere Quartiere, wo Läden eröffnet und Geschäftshäuser gebaut werden, wo neue Firmen hinziehen und auch am Abend die Post abgeht.
Zollikon oder Höngg
Zollikon wird in dieser Beziehung als attraktiver eingestuft. Adi Noventa wird deshalb nächstes Jahr mit Gabi Gualdi Lenherr nach Zollikon ziehen. Dort ist er ebenfalls wieder in einem Einkaufszentrum mit Restaurant und Parkplätzen für jeden erreichbar, der will. Kunden, die nicht nach Zollikon möchten, werden mit dem heutigen Hauptagenten Bauer nach Höngg verlegt.
Auch die Beziehung zwischen dem FCW und der «AXA Winterthur» soll unverändert bestehen bleiben. Noventa wird sich auch 2011 als Vorstandsmitglied für den FCW einsetzen. Schliesslich fährt er auch dann fast täglich auf dem Arbeitsweg an der Sportanlage Witikon vorbei.
Der im Jahr 2008 verstorbene «Giacomo» Brunner hat nach der Pensionierung mit 67 noch bis über das 80. Altersjahr seine eigenen Kunden betreut und war gleichzeitig Ehrenpräsident im FCW. Falls Adi Noventa den Spuren seines Vorgängers weiterhin folgt, dürfte seine Tätigkeit bei der «AXA Winterthur» sowie die Beziehung zum FCW weitere 25 Jahre dauern. Man darf gespannt sein, was die Zukunft bringt.
(Bericht übernommen und abgeändert vom Quartier-Anzeiger, 7. Oktober 2010)