Die Einsamkeit des Stürmers vor dem Tor

BC Albisrieden - FC Witikon 0:2 (0:1). Der Match aus Sicht des BC Albisrieden.

Eine Siegesserie über derart lange Zeit psychisch nutzbringend verarbeiten und zum x-ten Mal positiv abrufen zu können, ist selbst auf Senioren-Niveau eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Wohl verfügt man gerade bei den BCA-Senioren über ein respektables Alter und deshalb auch immense Erfahrung und Abgebrühtheit, aber der Umgang mit anhaltenden Gewinnsituationen muss dennoch gelernt sein. Vom 4. bis 23. Mai unbesiegt zu sein, das heisst 20 volle Tage oder 160 Spielminuten lang, kann mit der Zeit enormen Druck erzeugen. Irgendwann zerreisst es einfach den Konzentrationsfaden, irgendwann kann man nicht mehr jeden dahergelaufenen Gegner ernst nehmen, irgendwann folgt halt der Absturz aus dem Fussballhimmel, in dem nur göttlicher Fussball zelebriert wird.

0:1 nach 40 Minuten

Zumal am 24. Mai das heisse Wetter eine willkommene Ausrede lieferte, um nicht das volle Rendement erbringen zu müssen. Erstaunlich lange aber hielt man trotz wenig inspirierendem Spiel dem Druck aus Witikon stand. Das erste Minimalziel, wenigstens 20 Minuten ohne Gegentor zu überstehen, wurde jedenfalls erreicht. Es krachte erst in der 25. Minute, dann aber auch dank Mithilfe der Verteidigung, die in dieser Situation ihre schwachen 20 Sekunden einstreichen durfte. Die Offensive dagegen durfte 40 mittelschwache Minuten einziehen. Männiglich liess sich vom läuferisch starken Auftritt des Tabellenersten beeindrucken. Positive Ausnahmen waren in dieser Beziehung Peter, Di Paolo, Feller und Posratschnig. Der Rest schonte sich in wenig weiser Voraussicht bereits für die nächste Saison. Wobei von diesem Rest wiederum Torhüter Iselin ausgeklammert werden darf, der mit einer tadellosen Leistung glänzte. Was nicht erstaunte, krönte sein Haupt doch die schmucke Dächlikappe jenes Vereins, der bereits 1960 und 1992 den Cupsieg errungen hatte und 1989 als überragender Schweizermeister landesweit gefeiert worden war.

«Hundertprozentige» Chancen zum Ausgleich

Besser wurde das Spiel auch in der zweiten Halbzeit nicht, aber für die BCA-Supporter zumindest interessanter. Schliesslich sieht man es nicht alle Tage, dass ein Spieler vier Mal alleine auf das gegnerische Tor ziehen kann - und dies ohne überhaupt verfolgt zu werden. Als erstes versuchte sich Schell, der aber mit seinem gezielten Abbremsen eher sich selbst verunsicherte, als dass er damit den Witikoner Torhüter eingeschüchtert hätte. Es blieb beim 0:1. Fünf Minuten später trottete Rütsche mutterseelenallein auf das Tor des FC Witikon. Aber auch sein Abschlussversuch sollte nicht gerade Geschichte schreiben. Dann war die Reihe an Di Paolo, der von halblinks das Duell mit dem Torhüter und der Latte verlor. Und zu guter Letzt startete erneut Di Paolo und probierte einen jener coolen Heber, die aber, wie auch in diesem Fall, meist über das Tor gehoben werden.

Dummes 0:2

So paradox es klingen mag und so herrlich es auch den Spielverlauf auf den Kopf gestellt hätte: BCA hätte die zweite Hälfte klar für sich entscheiden müssen. Dass Witikon dank dem zögerlichen Eingreifen beziehungsweise dummen Nichteingreifen von Peter und Suter zum zweiten Treffer kam, war eigentlich Hohn und Spott.

BCA in der kommenden Saison erneut in Promotion

Wir hingegen spielen ab August erneut in der Promotion. Obwohl mit den zur Tradition gewordenen 19 Punkten ausgestattet, reichte es in dieser schwierigen Saison nur zum fünften Rang. Minim schlechter als in den vorangegangenen Jahren, wie ein Ex-Spielertrainer und praktizierender Kaltduscher maliziös zu platzieren wusste. Nun, hätten sich einige Spieler nicht auf teilweise abenteuerliche Weise verletzt und aus dem Verkehr gezogen ("Weinflasche zerstückelt rechte Hand" - Blick vom 22. April 2003), wäre die Niederlagenserie nicht in dieser Heftigkeit und Länge auf uns eingebrochen. Und wir hätten selbstverständlich mit Leichtigkeit den dritten Rang eingefahren. Verschieben wir das Ziel eben auf das nächste Jahr.

PS: Das Bier schmeckte ausnahmsweise auch nach einer Niederlage ganz passabel. Es schmeckte besonders gut zu den Spiessli und Entrecotes, die von Feller organisiert und von Bommer profihaft auf dem Grill gewendet und gepflegt wurden. Besten Dank!

Über den FC Witikon

Der FC Witikon ist ein mittelgrosser Verein am Stadtrand von Zürich. Wir bieten eine qualitativ hochstehende Fussballinfrastruktur für Jungen und Mädchen ab 5 Jahren und für Männer und Frauen bis 99 Jahre.

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